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postheadericon “Ich dachte, jetzt bist du unbesiegbar”

Box-Weltmeister Felix Sturm spricht im Interview mit “Welt Online” vor seinem WM-Kampf am Freitag über sein Image, Selbstbewusstsein und Herausforderer Sebastian Zbik.

Von Gunnar Meinhardt

Felix Sturm (33) scheint vor der Titelverteidigung seines Superchampionats der World Boxing Association (WBA) am Freitag in Köln (23 Uhr, Sat.1) gegen den früheren Weltmeister Sebastian Zbik (30, Neubrandenburg) nichts zu erschüttern. Fest überzeugt von seiner Unbesiegbarkeit, wird der Mittelgewichtler aus Leverkusen in den Ring steigen. Welt Online: Herr Sturm, Sie wirken unheimlich cool. Gingen Ihnen die abfälligen Kommentare Ihres Herausforderers nicht unter die Haut?

Felix Sturm: Welche meinen Sie?

Welt Online: Beispielsweise hat er Sie als „respektlosen Menschen“ mit einem „abstoßenden Mundwerk“ bezeichnet.

Sturm: Lassen Sie ihn dieses schwachsinnige Zeug doch ruhig erzählen! Er will doch nur die Leute auf seine Seite ziehen. Er tut ja auch so, als wäre er schon der große Quotenbringer gewesen. Der Typ hat früher bei mir im Rahmenprogramm geboxt, damit überhaupt noch einer hinguckt. Obwohl er um die Weltmeisterschaft geboxt hat, haben ungefähr 95 Prozent der Zuschauer die Halle verlassen, weil er keinen interessiert. Und er denkt, er hat schon gegen wunder wen geboxt. Er würde gut daran tun, wenn er seine große Klappe nicht so weit aufreißt.

Welt Online: Sie hauen aber auch ganz schön auf den Putz!

Sturm: Soll ich etwa etwas beschönigen, wo es nichts zu beschönigen gibt? Warum? Vielmehr soll er jeden Tag 24 Stunden sehr dankbar sein, dass ich da bin, dass er noch mal eine vernünftige Börse und Aufmerksamkeit bekommt, er noch mal live boxen darf, dass er noch mal auf einer Pressekonferenz sein darf, wo mehr als fünf Journalisten sind.

Welt Online: Halten Sie sich für etwas Besseres?

Sturm: Es hat nichts damit zu tun, wenn ich das so krass formuliere. Es ist einfach nur die Wahrheit.

Welt Online: An Selbstbewusstsein mangelt es Ihnen aber nicht?

Sturm: Wer in diesem Sport nicht selbstbewusst ist, ist fehl am Platz. Wer immer nur mit eingezogenem Kopf herumläuft und zu allem Ja und Amen sagt, sich alles gefallen lässt, braucht gar nicht erst in den Ring zu steigen. Nur wer an sich glaubt, von sich überzeugt ist, wird groß rauskommen. Schauen Sie doch nach Amerika! Floyd Mayweather, Manny Pacquiao oder Andre Ward – die Megastars von heute – sind vor allem so erfolgreich, weil sie ein unerschütterliches Selbstbewusstsein besitzen.

Welt Online: Woher kommt Ihr extremes Selbstbewusstsein?

Sturm: Mir ist nie was geschenkt worden, ich habe extrem viel in meinen Sport investierte und immer verdammt hart trainiert. Ich glaube, ich gehöre zu den Boxern auf der Welt, die sich am brutalsten schinden. Ich bin ja auch nicht umsonst da, wo ich jetzt stehe. Im September 2003 holte ich das mir das erste Mal einen Weltmeistertitel. Im Jahr darauf habe ich zwar den Titel in Las Vegas unberechtigterweise gegen Oscar de la Hoya verloren, doch seither gehöre ich zur Weltspitze im Mittelgewicht. Wenn du solange auf höchstem Niveau boxt, wirst du natürlich in deinem Tun bestätigt – und das gibt dir schließlich ausreichend Selbstbewusstsein.

Welt Online: Viele legen Ihnen das aufreizende Selbstbewusstsein auch als Arroganz aus, als Überheblichkeit.

Sturm: Ich bin nun mal keiner, der den ganzen Tag mit einem Lächeln durch die Weltgeschichte läuft und zu allen immer freundlich ist. Das bestreite ich auch nicht. Ich bin trotzdem ein Mensch wie jeder andere, habe mal schlechte Tage, bin mal müde und gereizt, was bei dem harten Training nicht verwundert. Ich lasse auch nicht jeden an mich ran. Ich muss nicht mit jedem Freund oder zu jedem superfreundlich sein, auch nicht zur Presse oder zum Fernsehen, nur weil ich dadurch einen Vorteil haben könnte. Wenn ich jemanden nicht leiden kann, zeige ich ihm das auch. Ich halte ganz bewusst Distanz zu den meisten Menschen. Dadurch habe ich mir schon viel Ärger erspart. Es gibt so viele unverschämte Menschen. Ich möchte nicht, dass mir irgendjemand am Ärmel zieht und fordert: „Komm mal her und mach ein Foto mit mir!“

Welt Online: Passiert das häufig?

Sturm: Ja, Sie können sich das gar nicht vorstellen. Mir ist schon klar, wenn ich denen deutlich sage „Nein, ich mache das nicht“, dass die mich als eingebildet beschimpfen. Ich bin keine arrogante Diva. Allerdings kann ich auch damit leben, wenn einer das sagt. Der eine findet mich toll, der andere scheiße. So ist das halt. Dagegen will ich auch nix tun.

Welt Online: Kritikverträglich sind Sie aber nicht?

Sturm: Wieso?

Welt Online: Wer etwas gegen Sie sagt wie Ex-Boxer Axel Schulz als einstiger Co-Kommentator von Sat.1 bei Ihrer schwachen Titelverteidigung im Juni vorigen Jahres gegen den Engländer Macklin, der muss gehen.

Sturm: Das ist doch absoluter Blödsinn. Glauben Sie ernsthaft, dass ich Einfluss auf die Entscheidungen beim Fernsehen habe?

Welt Online: So heißt es zumindest.

Sturm: Quatsch. Der Sender hat einfach dazugelernt. Ein Schwergewichtler wie Axel Schulz soll auch Schwergewichtskämpfe kommentieren. Übrigens habe ich Axel Schulz auch nie als „Penner“ bezeichnet, wie es Zbik behauptete. Das ist unter aller Sau, was er sich da ausgedacht hat, um Stimmung gegen mich zu machen.

Welt Online: Schmerzt es nicht, wenn Sie hören, Sturm kann zwar gut boxen, aber ansonsten ist er ein arroganter, selbstherrlicher, hochnäsiger Schnösel?

Sturm: Davon gibt es doch nur ganz, ganz wenige Leute. Und zwar sind das die, die nicht an mich rankommen und keine Karten für einen Kampf umsonst bekommen. Wenn die sagen, ich sei arrogant oder eingebildet, das geht mir, auf gut Deutsch, am Arsch vorbei. Wer mich privat kennt, der weiß, was ich für ein angenehmer Typ bin. Ich muss allerdings eingestehen, als 23-, 24-Jähriger schon noch etwas anders gewesen zu sein.

Welt Online: Inwiefern?

Sturm: Ich war in jungen Jahren schon sehr erfolgreich, wodurch mir manche Sachen zu Kopf gestiegen sind. Ich hatte einen Höhenflug, gar keine Frage. Als ich mir gegen Maselino Masoe…

Welt Online: … im Weltmeisterschaftskampf am 16. März 2006…

Sturm: …. den gegen de la Hoya verlorenen WM-Titel wieder zurückholte, dachte ich, jetzt bist du unbesiegbar.

Welt Online: Was ein fataler Irrtum war, denn bei der anschließenden Titelverteidigung gegen den Spanier Javier Castillejo nahm Sie der Ringrichter schwer gezeichnet kurz vor Ende der zehnten Runde aus dem Kampf.

Sturm: In der Welt, in der ich damals lebte, war er halt kein ernsthafter Gegner für mich. Ich habe ihn schlichtweg unterschätzt und nie und nimmer daran gedacht, gegen ihn verlieren zu können. Diese Niederlage, gebe ich zu, tat wahnsinnig weh. Doch ich bin zurückgekommen. Ich habe mir von Castellijo den Titel zurückgeholt, bin zum dritten Mal Weltmeister geworden. Seither habe ich den Titel elfmal verteidigt. Entscheidend ist nach einem Abgang immer, wie du wieder aufstehst. Nichts anderes zählt.

Welt Online: Kommt Ihnen denn nie in den Sinn, dass Sie auch gegen Zbik verlieren könnten?

Sturm: Nein. Er ist zwar ein sehr gut ausgebildeter Boxer, ohne Zweifel. Doch ich weiß, was ich kann – und das reicht.

Welt Online: Fühlen Sie sich als Star?

Sturm: Mag sein, dass ich im Ausland als Promi angesehen werde. Ich selber sehe das nicht so. Ich lege darauf auch überhaupt keinen Wert.

(Quelle: Welt Online)

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